Farbbefreiung - Lass dein inneres Kind spielen
Es war mal wieder einer jener Momente, in dem mir alles irgendwie zu viel war. Ich sah den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Ein ganz klarer Fall von selbstgemachten Freizeitstress. Wenn es im Leben allgemein stressig ist – seien es jetzt 40 Grad oder Deadlines in meinem Job, flüchte ich ganz gerne mal in meine Romane. Ich liebe das Schreiben und möchte definitiv irgendwann meine Geschichten teilen. Aber ich mache auch Art Journaling sehr gerne, oder illustriere. Doch irgendwann verrenne ich mich extrem, vor allem, wenn ich schaue, was andere machen oder wie weit sie auf ihrem Weg sind.
Storytime
So ergab es sich, dass ich das Buchcover für eine Freundin illustrieren durfte (und am Ende auch Satz und Layout verwirklicht habe) und ein Kumpel seinen ersten Kriminal-Roman veröffentlichte (den ich Beta lesen durfte). Was macht mein innerer ehrgeiziger Gnom? Ich muss jetzt auch meine Geschichten vorantreiben, damit ich auch etwas vorzeigen kann. Du kannst dir sicherlich vorstellen, wie das ausgegangen ist…
Nichts habe ich wirklich geschafft. Ich sprang von einer Geschichte zur anderen und schrieb mal hier mal da, ohne mich wirklich mit der Geschichte und den Figuren darin zu verbinden.
Zu allem Überfluss lauerten schon einige Art Journal Ideen in meinem Hinterkopf, doch ich schob sie immer weiter nach hinten. Ich hüpfte von Story zu Story, las und schrieb hier und da und wollte ein Projekt endlich beenden. Unnötig zu sagen, dass ich davon noch ein ganzes Stückchen entfernt bin.
Ich wurde immer frustrierter. Fragte mich immerzu, was der Sinn hinter all dem Schreiben ist, was ich mache, wenn die Romane fertig sind? Es gab eine Zeit, da konnte ich meine Romane und mein Autor-Dasein richtig gut manifestieren. Doch jetzt schien alles hinter einem Schleier zu liegen. Die Klarheit, die ich mir wünschte, kam einfach nicht.
Der Befreiungsschlag
Als ich gestern in mein Journal schrieb, um mich „auszukotzen“, hatte ich irgendwann die Faxen dicke. Während des Schreibens kam nämlich wieder der Impuls hoch, malen zu wollen, mich mit mein Art Journal zu beschäftigen… durch Farben alles rauslassen zu wollen. Ich habe den Stift beiseitegelegt, bin an meinen Malplatz, hab spontan Farben gewählt und sie mir an die Handflächen geschmiert. Damit habe ich einfach auf einer Doppelseite in meinem Art Journal herumgepatscht. Wie ein kleines Kind.
Das war so heilsam. Meinem inneren Kind hat das richtig gefallen.
Dann war ich im Flow. Kurz Hände gewaschen, neue Farbe und weiter. Ich habe so lange gemalt, bis mir ein inneres Gefühl sagte, dass es gut sei. Also ließ ich alles trocknen und habe heute Morgen in aller Früh nur ein paar Details noch hinzugefügt... und goldene Sprenkel. Keiner meiner Seiten ist komplett ohne ein goldenes Element.
Und was ist jetzt die Lehre aus dieser kleinen Geschichte?
Jeder ist auf seinem eigenen Weg. Unsere heutige Gesellschaft ist nach außen gerichtet – alles wird geteilt, zu Schau gestellt und bewertet. Ich tappe immer wieder in diese Falle, weil ich natürlich auch meinen Farbadruck im Leben hinterlassen möchte. Im Grunde weiß ich das auch, aber manchmal ist es einfach schwer bei sich zu bleiben und den Weg auf seine eigene Weise zu gehen. Die Angst nicht genug Zeit im leben für all das zu haben, was ich mir wünsche, spielt da gewiss mit rein. Aber das ist ein Thema für ein anderes Mal. An dieser Stelle bleibt mir nur zu sagen, dass mich die Arbeit mit Farben immer wieder befreit, ich das Gefühl habe, durchs Art Journaling meine eigene Kunsttherapie zu haben.
Eine kleine Affirmation zum Schluss:
„Ich darf mir für all die Dinge, die ich liebe, bewusst Zeit nehmen, auch wenn das bedeutet, dass es länger dauert, bis Projekte und Träume verwirklicht sind.“
Hier der Link zum Kriminal-Roman Sünden haben kein Verfallsdatum.
