Ich tue genug. Ich bin genug. Ich habe genug.
Als ich die Worte in einer Meditation von Yoga Youtuberin Mady Morrison hörte, trafen sie mich in der Tiefe meines Selbst. Seitdem gehen mir diese Worte nicht mehr aus dem Kopf, denn ich bin ein sehr begeisterungsfähiger und neugieriger Mensch, möchte viel Wissen und das Leben verstehen. Doch es passiert leider zu oft, dass ich mit zu viel Input von außen meine eigene Wanderroute durchs Leben verbaue ... den Fokus auf mich selbst und meinen Weg verliere. Und da hilft für mich nur eines: Fasten.
Sich selbst verlieren…
Als kurierender People Pleaser und eher unsicherer sowie perfektionistischer Mensch bin ich für solchen Input sehr empfänglich, versuche gerne mein Leben und mich immerzu anzupassen und zu verbessern, ohne es vielleicht einfach mal gut sein zu lassen. Denn am Ende ist das sehr anstrengend und ab einem bestimmten Punkt bin ich auch überfordert. Ich bin zwar ein selbstbewusster Mensch aber habe nicht viel Selbstvertrauen. Wie kann ich mir auch selbst vertrauen oder mich selbst lieben, wenn ich mich immerzu umentscheide und mich nicht an mein eigenes Wort oder meinen Projekten mir selbst gegenüber halte? Das Leben an sich ist schon unsicher und die Gesellschaft unberechenbar genug. Sollte ich mich dann nicht auf mich selbst verlassen und mir vertrauen können?
Back tot he Roots
Die letzten Jahre bin ich viel durch das Leben mäandert, habe mir unterschiedliche Lebens- und Bewegungsstile angeschaut. Slow and Simple Living, Shaolin, Traditionelle Chinesische Medizin, QiGong, Minimalismus, Fittness… möchte ich mein Leben malend oder schreibend verbringen? Ich habe vieles aus Interesse angefangen und dann festgestellt: Nee… bin nicht ich. Und ja. Alles hat seine Daseinsberechtigung. Doch ich brauche einen Cut.
Nach meiner Qi Gong Ausbildung, die mir auch nicht die Antworten brachte, die ich suche, schrieb mich mein allererster Qi Gong Lehrer an und verwies auf seinen neuen Kurs. „Zentriert und Stark im Sturm.“ Das klang nach das, was ich gerade brauchte.
Damals (2018) lernte ich die 18 Formen des Taiji Qi Gong „Shibashi“. Es war für mich nur entspannende Bewegung und wirklich sehr viel habe ich damals nicht privat geübt. Doch Qi Gong muss du regelmäßig machen – möglichst täglich, damit es Wirkung zeigt. Das ging damals an mir vorbei.
Dann kam Corona und verunsicherte mich zutiefst. Wenn du dich fragst, ob du mit deinem Leben glücklich bist, müsstest du heute gehen und dir „nein“ antwortest … das macht etwas mit dir. Ich wollte mehr… Ich wollte verstehen… Ich wollte wachsen… ich wollte stark sein… Ich wollte mich finden… Und so begab ich mich auf eine Reise.
Verstehe mich nicht falsch: Ich habe viel über mich und andere gelernt, mich neu in die Wunder des Lebens verliebt. Aber diese intensive Wanderjahre dürfen auch langsam ein Ende finden. Denn im Grunde weiß ich, was ich will. Ich suche mir nur immer etwas anderes, aus Angst Erfolg zu haben, etwas zu Ende zu bringen und zur Ruhe zu kommen.
Bei den Shaolin heißt es im übertragenden Sinne:
„Wenn die Teetasse voll ist, kann sie nicht weiter gefüllt werden.“
Die Dinge bzw. mein Geist müssen erst einmal geleert werden, bevor neues hineinkann. Es geht nicht darum, gar nichts mehr im Leben zu wollen. Am Ende geht es um Qualität und nicht um Quantität. Deine Teetasse leert sich, indem du aus ihr trinkst – sprich: etwas tust. So ist es mit dem Leben auch. All das Wissen darf Anwendung finden.
Input-Fasten und Kung Fu
Deswegen habe ich das Fasten begonnen. Ich verzichte aber nicht auf Essen, sondern auf Input. Ich nehme mir nur das, was mir damals gutgetan hat und wo ich auch immer wieder darauf zurückkomme. Kein Scrollen auf Youtube. Kein mäandern mehr. Kein sich immer wieder optimieren. Ich tue bereits genug. Ich habe genug und ich bin genug, auch wenn ich nicht perfekt bin und noch nicht alles weiß.
Ich faste auch Qi Gong Formen, denn ich habe in den letzten Jahren viele gelernt. Eigentlich reicht eine Qi Gong Form aus, denn um ihren Sinn und ihre Wirkung wirklich zu verstehen, kann ein ganzes Leben vergehen. Ich werde mich also dem Shibashi Set widmen und dieses für mich erforschen. Beobachten, achtsam sein.
Ich bin zwar nicht der Typ für Kung Fu als Martial Art, aber ich mag die Bedeutung, die hinter dem Begriff steckt. Eine Fähigkeit durch harte Arbeit, Zeit, Können und Hingabe zu erlernen und zu perfektionieren. Du gibst dich etwas hin und lernst, tust, wächst, verarbeitest, kommunizierst mit dir, deinem Umfeld und deinem Körper. Sich diese Erlaubnis zu geben und so bei sich zu bleiben, sich zu zentrieren, einfach zu machen … das ist für mich wahre Kunst, wahre Leidenschaft.
Die liebe Tamara vom Art Journal Club hat uns eine Frage gestellt, welche Sehnsucht in uns schlummert und nach außen drängt? Folgendes war das Erste, was mir in den Sinn kam:
Illustrierte Bücher und damit Menschen berühren, inspirieren, motivieren. In meinen Romanen geht es nämlich unter anderen ums Art Journaling (was u.a. die eine Protagonistin als Hobby hat), um sowas wie magische Orakelkarten oder magische Lebensbücher, die dem Menschen entsprechend gestaltet sind und deren Lebensgeschichte erzählen. Da möchte ich gerne die Motive, die in der Geschichte eine Rolle spielen auch malen. Damit das Leseerlebnis besonders immersiv wird. Doch da kommt dann wieder mein Perfektionist, der das hinterfragt. Macht das Sinn? Will das überhaupt wer kaufen (weil teurer wegen Farbseiten - zumindest in gedruckter Form), wird das überhaupt gut genug? Sowas halt. Die Geschichten entstehen und wachsen mit mir. Und ich versuche mir da einfach die nötige Zeit zu geben…
Und was soll ich sagen… Das habe ich schon immer gemacht und möchte es auch bis an mein Lebensende tun. Geschichten geschrieben und dazu gemalt. Ich brauche nicht mehr für meinen Lebenssinn, für meinen Berufung. Damit erkläre ich mir das Leben und mich selbst.
Meine Teetasse läuft über. Nun wird es Zeit, mich auf meine innere Fülle zu besinnen. Wie voll ist deine Tasse?
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